Die wichtigsten Bioverbände
Viele ökologische Bauern haben sich zu Verbänden zusammengeschlossen. Diese Verbände haben im Vergleich zum Bio Siegel noch strengere Bestimmungen und Kontrollen. Zu den bekanntesten gehören:
Bioland
Größter ökologischer Anbauverband. Deutschlandweit über 4500 Betriebe (Landwirte, Gärtner und Winzer). Ein Unterschied zum EU-Bio-Siegel wäre beispielsweise: Bauern dürfen nur so viele Tiere halten, wie viel Futter sie auf Ihren eigenen Feldern erwirtschaften können, Nahrungsmittelzukauf ist verboten. Ebenso ist die Bestrahlung von Lebensmitteln ist bei Bioland-Produkten gänzlich verboten.
Biopark
Verband wurde in Mecklenburg-Vorpommern gegründet und hat seit 2006 über 700 Mitglieder. Ähnlich wie bei Bioland erfolgt die ökologische Bewirtschaftung nur über betriebseigenes Futter und betriebseigenen Dünger.
Demeter
Die Herkunft des Namens ist auf die griechische Fruchtbarkeitsgöttin Demeter zurückzuführen. Dieser Wirtschaftsverbund wurde 1932 gegründet. In Deutschland wirtschaften rund 1350 Landwirte mit 50.000 Hektar Fläche biologisch-dynamisch. Weltweit arbeiten über 3200 Landwirtschafts- und Gartenbaubetriebe nach den strengen Demeter-Richtlinien. Demeter verabschiedet 1994 als erster ökologischer Anbauverband Richtlinien für die „Verarbeitung von Lebensmitteln. Demeter steht für Produkte der Biologisch-Dynamischen Wirtschaftsweise, die als nachhaltigste Form der Landbewirtschaftung dafür sorgt, dass die Humusschicht kontinuierlich wächst. Unabhängige Forschungsergebnisse zeigen, dass nach Demeter-Richtlinien bewirtschaftete Böden leben und von Jahr zu Jahr fruchtbarer werden.
Die Demeter-Gemeinschaft setzt von der Erzeugung über die Verarbeitung bis in den Handel höchste Qualitätsmaßstäbe. Durch selbst hergestellte, feinstofflich wirkende Präparate aus Mist, Heilpflanzen und Mineralien wird die Bodenfruchtbarkeit in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft nachhaltig gefördert und das charakteristische Aroma der Lebensmittel voll entwickelt.
Biologisch-dynamischer Landbau soll der gesamte Betrieb ein in sich geschlossenes Gefüge bilden. Von außen sollen möglichst wenig Betriebsmittel auf den Hof gelangen; wenn dann nur von anderen Demeterhöfen. Deshalb halten Demeter-Bauern möglichst viele Tier- und Pflanzenarten. Menschen, Tiere und Pflanzen, Erde, und Kosmos stehen im Einklang. Beim Bewirtschafen, Ernten usw. werden die „kosmischen Rhythmen“ der Natur, Planeten und des Mondes berücksichtigt. Es ist wissenschaftlich belegt, dass beispielsweise bei abnehmenden Mond geschlagenes Holz widerstandsfähiger gegen Wurmbefall und Fäulnis ist. Oder Möhren bringen nach der Aussat vor Vollmond besonders gute Erträge und sind optimal lagerfähig, während Kartoffeln dabei Mindererträge zeigen.
Ein biologisch-dynamischer Dünger bei Demeter wird z. B. hergestellt, in dem man Quarzkristall und Kuhdung in geringster Dosis 1 Stunde lang in Wasser verrührt – dynamisiert. Dieses Verfahren ist mit den Prinzipien der Klassischen Homöopathie vergleichbar.
Naturland
Dieser Verband wurde 1982 gegründet und ist heute eine der bedeutendsten Organisationen des anerkannt Ökologischen Landbaus in Deutschland. Weltweit gehört Naturland zu den großen Zertifizierungsorganisationen für Ökoprodukte. Naturland betreut weltweit 46.000 zertifizierte Landwirte und Erzeugergruppen.
Gegenüber dem Bio-Siegel hat Naturland auch soziale Richtlinien. Diese schließen den Umgang mit den Mitarbeitern sowie die Erzeugung und Verarbeitung der Lebensmittel mit ein.
Ökologischer Anbau und Fairer Handel stellen eine stimmige und konsequente Einheit dar. Seit 1989 engagiert sich Naturland international und hat mit gepa die ersten Teeplantagen in Indien und Sri Lanka auf Ökolandbau umgestellt.
IFOAM
Weltweiter Dachverband aller Organisationen des ökologischen Landbaus, ist auf Regionalgruppen aufgeteilt. Die Geschäftstelle der Regionalgruppe für deutschsprachige Länder (Deutschland, Luxemburg, Österreich, Schweiz) befindet sich Berlin.
Abschließende Fragen aus der Praxis:
Können Öko-Bauern wirklich auf Pestizide verzichten?
Bauern, Gärtner und Winzer setzen auf Vorbeugung z.B. durch eine vielseitige Fruchtfolge, geeignete Standort- und Sortenwahl. Wildkräuter werden durch mechanische Maßnahmen wie Hacken und Striegeln in Grenzen gehalten. Und wenn wirklich einmal Schädlinge oder eine Krankheit überhand nehmen, dürfen ausschließlich umweltverträgliche und natürliche Mittel wie z.B. Chrysanthemen- oder Quassiaholz-Auszüge, Schmierseife, Gesteinsmehl, Öle etc. eingesetzt werden.
Wie läuft das mit den Kontrollen im Ökolandbau ab?
Bei Naturland beispielsweise werden die Mitglieder im Auftrag des Verbandes durch unabhängige staatlich zugelassene Kontrollinstitute geprüft. Bei der Kontrolle, zu der die Kontrolleure jederzeit und unangemeldet kommen dürfen, wird jede Rechnung, jeder Lieferschein überprüft. So wird sichergestellt, dass nichts Unerlaubtes wie z.B. organo-synthetische Pestizide oder leichtlösliche Mineraldünger eingekauft wurde, und dass die Erntemengen genau der Größe des Betriebs und den Erträgen im anerkannt Ökologischen Landbau entsprechen. Der Inspektionsrundgang über den Betrieb dauert mehrere Stunden. Felder, Grünland, Wald, Weinberge, Stallungen, Wirtschaftsgebäude, die Gesundheit der Tiere, Wachstum und Qualität der Feldfrüchte, Futter und Düngung werden ausführlich überprüft. Alle Betriebe müssen genau darüber Buch führen, was und wie viel sie verkaufen. Für Verstöße gegen die Naturland Richtlinien gibt es einen genauen Sanktionskatalog, der von der einfachen Auflage über die Abmahnung bis zur fristlosen Kündigung reicht. Auch wenn die Naturland Erzeuger viel Papierkram zu erledigen haben - für die Verbraucher bedeutet das Naturland Zertifizierungssystem mit den Bestandteilen, Richtlinien, Kontrolle, Anerkennung (Zertifizierung) die hohe Sicherheit, dass sie tadellose ökologisch erzeugte Lebensmittel und Naturwaren erhalten.
Warum sind Bio-Produkte teurer?
Öko-Bauern düngen organisch und verzichten auf chemischen Pflanzenschutz. Sie ernten deshalb weniger als konventionelle Bauern, je nach Kultur bis zu 30%, unter intensiver Produktion sogar darüber. Öko-Bauern arbeiten heute zwar mit modernen Maschinen. Dennoch haben sie immer noch mehr Arbeit als ihre konventionellen Kollegen, besonders im Bereich der Tierhaltung. Auch die Verarbeitung ökologischer Rohstoffe ist sehr aufwändig. Nach der EU-BIO-VO sind z.B. in der Lebensmittelverarbeitung statt der über 300 zugelassenen Zusatzstoffen - die E-Nummern auf dem Etikett, also Farbstoffe, Konservierungsmittel, Backhilfsstoffe, Enzyme, Emulgatoren etc. - nur rund 30 Substanzen natürlichen Ursprungs erlaubt. So sind etwa Geschmacksverstärker, künstliche Backtriebmittel und synthetische Konservierungsmittel verboten. Das ist zeitraubend, erfordert viel handwerkliches Können und macht die Verarbeitung von Lebensmittel bei Bäckern, Metzgern, Babykostherstellern etc. viel aufwändiger. Die geringere Produktionsmenge, viel Handarbeit und die aufwändige Verarbeitung machen die Produkte besonders hochwertig, aber auch etwas teurer.
Gibt es im Ökolandbau Massentierhaltung?
Die Richtlinien des Ökologischen Landbaus schreiben vor, dass die Zahl der Tiere an die landwirtschaftliche Nutzfläche gebunden sein muss. Massentierhaltung ist untersagt. Die Futtermittelzukäufe sind für ökologisch arbeitende Landwirte ebenfalls begrenzt. So weisen die ökologisch wirtschaftenden Betriebe im Durchschnitt eine maximale Tierbesatzdichte von 1 bis maximal 1,5 Großvieheinheiten pro Hektar aus. Das entspricht etwa einer Mutterkuh mit Kalb pro Hektar.