Sitzkunststück
Von Idee zu Kreation, von Koffer zu Ei und von Produktionsende zur Wiederentdeckung: das sind die Begriffe, die die Entwicklung von Peter Ghyczys „Garden Egg Chair“ beschreiben. Zugleich ist es aber auch die Geschichte einer Sitzgelegenheit, die durch Nostalgie zum Kultobjekt avanciert ist.
Peter Ghyczy hat eine Vision. Eine Vision, die ihn seit 40 Jahren ständig begleitet und zu dem gemacht hat, was er ist: Designer. Seine Vision besteht darin, Form und Material auf einzigartige und zeitlose Weise zu verschmelzen und dadurch etwas anderes herzustellen als „nur“ einen Alltagsgegenstand. Mit dem Garden Egg Chair ist ihm diese Kombination gelungen und zugleich hat er ein Liebhaberstück entworfen, das heutzutage sogar in Museen ausgestellt wird. Und das, obwohl es zunächst schien, als ob die Geschichte des „Sitzei“ eine sehr kurze sein sollte.
Die Geburtsstunde des Egg Chairs war im Jahr 1968, als Ghyczy Chefdesigner bei der Firma Reuter in Lemförde bei Osnabrück war. Er befasste sich mit der Idee, eine neue Sitzgelegenheit zu entwerfen. Diese sollte leicht, einfach zu transportieren, bequem und zugleich vom unvergänglichem und einmaligem Stil sein. Außerdem sollte das ganze aus dem damaligen In-Material Plastik sein, was damit im Kontrast zum weichen Innenpolster stehen würde.
Vom ersten Entwurf bis zum letzten Design durchlief das Garden Egg Chair viele Entwicklungsstufen. Zunächst schwebte dem Designer ein „praktischer Klappstuhl mit Kofferform“ vor, im Laufe der Entwürfe verlor der „Koffer“ aber immer mehr von seinen Kanten und wurde runder. Letztendlich wurde Ghyczy deutlich, dass er wohl ein Möbelstück mit der Form eines Eis erschaffen hatte.
Obwohl das „Sitzei“ zunächst einen starken Anklang fand, war die Produktion nur eine sehr kurzlebige. Bereits 1973 als der Plastikboom durch die Ölkrise ein jähes Ende fand, wurde sie eingestellt. Das Sitzei verschwand in der Versenkung.
Trotzdem blieb das Garden Egg Chair immer etwas Besonderes und hatte noch immer zahlreiche Fans. Selbst Ghyczys Kinder und ihre Freunde nutzten das Sitzei weiterhin und so kam es, dass eine neue Generation begann, sich für das Egg Chair zu interessieren. Aber auch Fans, die das Sitzkunststück noch aus den 70er Jahren kannten, schrieben Ghyczy aus der ganzen Welt und fragten, wo das Sitzkunststück zu erwerben sei.
Dieser Zuspruch motivierten den Designer zur Wiederaufnahme der Produktion und so kam es zum Revival des Garden Egg Chair Mitte der 90er Jahre. Heutzutage findet man den Sessel nicht nur in Wohnzimmern und Gärten, sondern auch auf Auktionen, Messen und Ausstellungen namenhafter Museen wie das Victoria Albert Museum in London. Denn Ghyczy hat mit seinem Garden Egg Chair einen Design-Klassiker entworfen, der Massenproduktionen und Jahrzehnte überlebt hat ohne dabei seinen Charme zu verlieren.
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